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Samstag, 24. August 2013

Experiment

Heute bin ich auf einen sehr interessanten Blog von Annieand so Annie waits” gestossen. In diesem Post schreibt sie über ein Experiment "Froschkönigin" in dem es um das gegenseitige Verfolgen geht.  Wer jetzt neugierig geworden ist, kann unten einfach weiter lesen:

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Meinen Blog “and so Annie waits” gibt es nun seit über drei Jahren und in dieser Zeit habe ich die Welt der Blogger lieben und schätzen gelernt. Durch meinen Blog habe ich viele Gleichgesinnte kennengelernt, manche von ihnen sogar schon getroffen. Das alles ist schön und gut, aber ich bin auch ein sehr kritischer Mensch, der die negativen Seiten nicht einfach so ausblenden kann. Es gibt etwas an der Blogger-Welt, was mich extrem stört:
Hi, supersüßer Blog! Hast du Lust auf gegenseitiges Verfolgen?
Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich den ersten Kommentar dieser Art bekommen habe, aber ich weiß, dass ich mich direkt fragte, was das soll, denn wenn mir ein Blog gefällt, dann folge ich ihm – bedingungslos! Also ignorierte ich diesen Kommentar. Es folgten weitere und auch auf anderen Blogs konnte ich ähnliche Anfragen beobachten. Irgendwann reichte es mir und ich verfasste einen Beitrag, der verkündete, dass ich nichts vom gegenseitigen Verfolgen halte. Es dauerte nicht lange, bis mich wieder jemand fragte, ob ich Lust hätte. “Ähm…nein!?!
Als ich den Blog anklickte, sah ich auf den ersten Blick, dass er mir nicht gefiel. Ein Design, was mich beinahe zur Erblindung brachte. Farben, die nicht zueinander passten. Fotos, die ich selbst mit meiner Handykamera besser hinbekommen würde. Und der zweite Blick? Dünne Texte, Tagebucheinträge, die mich nicht interessierten. “Da hat sich jemand nicht besonders große Mühe gegeben“, dachte ich. Dennoch standen unter den Beiträgen verhältnismäßig viele Kommentare. Als ich diese näher betrachtete, stellte ich schnell fest, dass ich nicht die einzige war, die ihre Anfrage erhalten hatte:
 ”Ja klar habe ich Lust, ich mach schon mal den Anfang! Jetzt bist du dran!
 Neugrierig klickte ich mich durch die Blogs ihrer neuen “Bedingungs-Leser” und meine Vermutung bestätigte sich schnell: Die Dame hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, individuelle Kommentare zu verfassen, sondern verteilte die Anfragen ganz simpel per Copy/Paste.
Ich beobachtete ihren Blog noch eine Weile und stellte fest, dass ihre Leserzahl innerhalb von 1 1/2 Tagen von 32 auf 54 gestiegen war und begann zu grübeln. “Wie schnell man wohl an neue Leser kommen würde mit so einer Methode?” Warum also nicht einmal selbst ausprobieren. Und schon war es geboren, das…
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Natürlich konnte und wollte ich nicht als “Annie Waits” solche Kommentare verteilen. Man muss sich selbst ja treu bleiben und man hat einen Ruf zu verlieren! Also musste ein neuer Blog her. So kreierte ich den Blog http://diekleinefroschkoenigin.blogspot.de/ und erfand als Autorin die 15-jährige Bloggerin Lisa-Marie bzw. “Lissy”.
Lissys Beiträge bestanden aus vollkommen unbearbeiteten, aussortierten Fotos (bei denen ich mich im Nachhinein fragte, fragte, wieso sie überhaupt noch auf meiner Festplatte existierten) und einem oberflächlichen Geplänkel, was mich als Leser vollkommen, absolut mal gar nicht interessieren würde.
Nachdem die ersten Posts standen, machte ich mich daran, die besagten Kommentare zu verteilen.
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Ungefährt 15 minuten verbrachte ich damit, diesen Kommentar auf so viele Blogs wie möglich zu klatschen. Dann hieß es, abwarten und Früchtetee trinken. Und siehe da, bereits kurz nach dem ersten Massenkommentieren hatte ich meine ersten drei “Google Friend Connect”-Leser. Einen Tag später war die Anzahl Lissys Leser auf stolze 16 gestiegen, nach zwei Tagen auf 34.
FOTO_3Bereits nach einer Woche hatte ich ganze 85 Leser angelockt, 5 Posts geschrieben, unter denen sich insgesamt 113 Kommentare befanden. Die 100-Leser-Marke war nach nicht einmal zwei Wochen geknackt und nach drei Wochen lag die Leserzahl bereits bei 150. Dann folge die Endphase meiner Diplomarbeit, weshalb ich mich nicht mehr so sehr um das Experiment kümmern konnte. Aber ich schaffte es dennoch auf fast 200 Leser, bis ich das Experiment nach etwa 3 Monaten beendete und das “Geheimnis” auf meinem und auf Lissys Blog lüftete.
Ich versuchte mich zu erinnern, wie lange ich mit meinem richtigen Blog gebraucht hatte, bis ich mehr als nur meine zwei Freunde, die ich persönlich kenne, als treue Leser hatte…
A propos treue Leser. Schnell stellte sich heraus: Die Leser sprangen zwar auf das gegenseitige Verfolgen an, aber bis auf ihren “Klar hab ich Lust”-Kommentar ließen die meisten nie wieder etwas von sich hören. Nur die Wenigsten kommentierten direkt zum Inhalt der Beiträge bzw. meldeten sich mehr als ein einziges Mal. Niemandem war aufgefallen, dass ich gegen Ende Mai Fotos von meinem angeblichen Spaziergang am Vortag postete, auf denen die Bäume auf einem Foto keine Blätter trugen (das Foto stammte von einem Spaziergang im April). Ich gab mir keine Mühe mit den Beiträgen, denn ich steckte meine ganze Energie und Zeit in das Copy/Paste’n von Kommentaren.  Die Blogs, bei denen ich meine Kommentare verteilte, schaute ich mir kaum an und nachdem ich meine Anfrage hinterlassen hatte, hieß es “Auf nimmer Wiedersehen!”. Keinen einzigen Blog besuchte ich ein zweites Mal.
Das Experiment hat mir gezeigt, dass diese Anfragen nicht nur nervig sind. Sie sind obendrein auch noch das absoluten Gegenteil von dem, was ich mir unter dem richtigen Bloggen vorstelle. Es hat mich umgehauen, wie schnell ich an so viele Leser mit so wenig Inhalt gekommen bin. Schockierend!
Man kann nur vermuten, was in Bloggern vorgeht, die solche Methoden verwenden. So schnell wie möglich viele Leser sammeln – für das Selbstwertgefühl? Für zukünftige Kooperationspartner, bei denen man abstauben kann? Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Weg man in der Bloggerwelt einschlagen möchte und auf welchem Wege man sich um neue Leser bemüht.
Was sagt ihr dazu? Was ist euch wichtiger, Leser mit interessanten Beiträgen zu begeistern, oder sich einfach gegenseitig zu verfolgen, nur um mehr Leser zu haben?

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